Dienstag, 21. März 2017

04.03.2017 Crvena Zvezda vs Partizan Beograd 1:1

Wir haben noch immer die Saison 2016/2017 und noch immer gibt es wenig Interessantes in meinem favorisierten Fußballland. Zu Gunsten des nun folgenden Reiseberichts, breche ich einfach mal mit der korrekten Chronologie besuchter Spiele und reiche diese eventuell später mal nach. Ich will Euch eben gern mal wieder etwas Aktualität bilden. 

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich jemals so dermaßen viel storniert, umgebucht oder schlichtweg verpasst habe wie bei dieser Tour. Es ist nicht ganz einfach einen Ausflug zu planen mit Freunden, die fast jeden Tag ihrer einwöchigen Tour in einem anderen Land Fußball glotzen wollen. Eine ganze Woche war für mich ohnehin von vornherein ausgeschlossen, dafür fehlt mir sowohl die Zeit, als auch das Verständnis der „Regierung“. Bevor ich meine ersten Flüge buchte, war der Plan noch: Mittwochs Belgrad-Derby, Donnerstag: Derby in Bukarest und sonnabends das Nachbarschaftsduell in Sofia. Geile Sache dachte ich mir und buchte einfach mal Hin- und Rückflug nach Belgrad. Dort sollte ich dann mit meinen Cottbuser Kollegen zusammen kommen usw… 

Selbstverständlich hat es genau so nicht funktioniert,denn irgendwann im Januar wurde der Kick in Belgrad schon auf Sonnabend verschoben und die cleveren Jungs werden nun natürlich festgestellt haben, dass da ein gewisses Problem entstand. Für unsere Hopper taten sich damit hingegen ganz neue Möglichkeiten auf und ich suchte nach entsprechenden Optionen, mit den bereits gebuchten Flügen dazu zustoßen. Gerade war soweit alles fix, als mir durch die FA-Cup-Auslosung alles durcheinander geworfen und der ganze Ausflug nochmals überarbeitet werden musste, um den Hausfrieden nicht allzu sehr zu belasten. Schließlich wurden mit den Spurs endlich das langersehnte Traumlos für die Lions aus dem Pot gezogen….und da wollte ich auch hin. Also alles von vorn, Flüge stornieren, Zugfahrten und Flüge umbuchen etc. Meine späteren Reisegesellen verloren zwischenzeitlich komplett den Überblick und ich zugegebenermaßen auch. Allen Unkenrufen zum Trotz saß ich am Donnerstagabend tatsächlich im Flieger von Köln nach Sofia, wo sich in einem „netten“Hotel bereits die Jungs aus der Heimat bei „Hustler TV“ von ihrem Ausflug nach Griechenland erholten. Ich musste mir währenddessen ein wenig Freiraum im ohnehin engen Ryan-Air-Flieger erkämpfen, gab das Unterfangen jedoch auf, als ich die schicke „Wehrmacht“-Tätowierung auf dem Unterarm meines muskulösen Bulgarischen Nebenmanns erblickte. Bei den Anderen angekommen, saß mein Zimmerkollege schon da und checkte eifrig die Auslage von topescort.bg . Ich bediente mich zunächst an Balles flüssigen Mitbringseln aus Griechenland und unterstützte später fleißig beim „suchen“. Nach einer Menge Geblödel, erfolglosen Anrufen (wenn „Maria“ wüsste, was ihr entgangen ist), war dann aber auch mal schlafen angesagt. 

Freitagmorgen: Das Bild eines reichhaltigen Frühstücksbuffets im Kopf, bewegte ich mich voller Erwartungen an die bulgarischen Spezialitäten zum Frühstück im „Restaurant“. Fünf Minuten später stand ich ziemlich ratlos vor dem sogenannten Buffet, was nur sollte ich hier essen, ohne eine Lebensmittelvergiftung zu bekommen? Was das angeht, bin ich schon speziell und bin bei fehlender Hygiene im Lebensmittelbereich überaus skeptisch. Um mich nicht allein mit möglichen Salmonellen rumzuärgern, lockte ich die Schläfer unter Vortäuschung falscher Tatsachen („fürstlich gedecktes Frühstücksbuffet“) aus den Betten. Aber dieser Bericht beweist, wir haben es alle überlebt. Nach einer kleinen Tour durch Sofia hieß die nächste Etappe Belgrad. Der Plan, am Abend noch ein ein Spiel in Zentralserbien zu gucken, wurde bereits vor der serbischen Grenze verworfen. Mich störte es wenig und die anderen drei hatten ja in den letzten Tagen mehr als genug vernünftige Spiele gesehen. Für uns blieb daher etwas Zeit, an einigen Punkten auszusteigen und die Gegend etwas auf uns wirken zu lassen…..oder an einer Raststätte einfach die serbischen Kochkünste. Ich müsste schon etwas überlegen, wann ich jemals so gut und preiswert an einer ordinären Raststätte gegessen habe. Obwohl….damals….mit Stuttgart irgendwo bei Innsbruck. Da war sogar alles umsonst.



Ohne Stress und bei schönstem Wetter passierten wir am späten Nachmittag Belgrads Stadtgrenze, Zeit genug, mal etwas die Nase in die serbische Luft zu halten. Für die „Balkan-Profis“ ist das ja alles nichts mehr neues, aber für mich war es der erste Ausflug nach Serbien und Belgrad, da guckt man schon etwas genauer hin. Erster Anlaufpunkt: die Heimstätte von Zvezda und deren Fanshops. Die Jungs im offiziellen Fanshop müssen sich schon etwas doof vorkommen in ihrem leeren Laden, während im benachbarten Shop der Delje die Leute mit vollen Tüten rausstolpern. Und weil wir eh da waren, wurden gleich noch die zwei Tickets für das morgigen Spiel klar gemacht. Zumindest glaubten wir das. Aufmerksam wie Balle ist, fiel ihm natürlich der fehlende Barcode am zweiten Ticket auf. Die Trulla an der Kasse wurde selbstverständlich sofort auf dieses Manko angesprochen, sie war jedoch weder der deutschen noch der englischen Sprache mächtig und wir hatten unsere Probleme mit der serbischen Mundart. 





Etwas skeptisch zogen wir erst mal von dannen und checkten im Hotel ein. Das Ding war zwar etwas abgelegen, dafür aber umso hochwertiger. Hochwertig bzw. extravagant waren auch die Zimmer......zumindest für Pärchen. Mich macht es hingegen weniger an, Balle beim Duschen oder auf dem Klo vom Bett aus zu sehen, wie das umgekehrt ist, kann ich leider nicht beurteilen. Nachdem sich Micha und Robert über dieses Manko in unserem Zimmer amüsiert hatten, bezogen sie das ihrige und stellten selbiges in ihrer Unterkunft fest. Die hübsche Dame an der Rezeption hatte es durchaus gut mit uns gemeint als sie uns von „Economy“ auf „Superior-Zimmer“ verlegt hatte. Leider konnten wir sie nicht überreden, uns zu zeigen, wie die Dinger funktionieren. Nach all dem Gelächter konnten endlich mal ein paar Hülsen geleert und mit viel Überredungskunst auch Balle zu einem Ausflug in die Innenstadt überredet werden („Ich hab' nichts zum anziehen“; „ich stinke...“ ) . Kurze Zeit später saßen wir schon mit ein paar Sankt Gallern in einer serbischen Kneipe, erfreuten uns an den Preisen und dem weiblichen „Inventar“. Balles Balzverhalten („ Hey!“) zog leider nicht wie erwartet, auch nicht, als er anfing, sich rhythmisch zur Musik zu bewegen. Und seine neue Tinder-Bekanntschaft aus Novi Sad wollte ihm auch nicht glauben, dass er Flugzeugingenieur ist, das ganze war so frustrierend, dass wir glatt vergaßen, beim gehen die Rechnung zu zahlen. Gott sei Dank hatten wir noch ein paar finanzstarke Kumpels in der Kneipe sitzen, die sich um die Sache kümmern konnten. Pardon Jungs...war natürlich keine Absicht. Da ich mittlerweile schon ganz schön einen sitzen hatte, wählten wir (ok, Balle wollte eigentlich gern noch weiter machen und war reichlich enttäuscht) nach einem letzten Getränk den Rückzug. Die Warnungen unseres Taxifahrers von der Hinfahrt („ Don`t take these Taxis....you will pay much more“) ausschlagend, wählten wir natürlich das erstbeste Taxi. Mit seinem sportlichen Kurzhaarschnitt und den Joggingklamotten sah der Fahrer auch nicht viel unseriöser aus als die anderen Jungs. Statt 6 Euro wie bei der Hinfahrt, zahlten wir für unsere Menschenkenntnis knapp 30 Euro. Konnten aber immerhin im Taxi qualmen und nochmal Bier holen. Wer hat der kann.... 

Sonnabendvormittag stand im Zeichen des Tourismus. Sehenswürdigkeiten anglotzen, Bilder machen, nachdenklich gucken, Bilder machen beim nachdenklich gucken und essen/trinken. Konkret wurde zunächst die Festung von Belgrad angesteuert. Über dem Flussdelta von Save und Donau gelegen bietet sie dem Besucher einen schönen Blick auf die beiden genannten Flüsse, sowie weite Teile der Stadt. Wenn ich richtig informiert bin, sieht man von da oben hauptsächlich auf die Belgrader Stadteile Novi Beograd und Zemun. Wer etwas Zeit hat, sollte da ruhig mal hoch. Bei schönem Wetter (hatten wir), kann man sich zusätzlich in das Café auf der Burg setzen und den serbischen Schönheiten hinterher gucken (konnten wir nicht, Café war voll). Alles haben wir leider nicht gesehen, der Hunger trieb uns in die Innenstadt. Ich werde hier aber sicher nochmal herkommen und mir den gesamten Bau mit etwas mehr Zeit und Hintergrundwissen ansehen. Die Stadt ist eigentlich viel zu interessant, um sie mit ein paar Stündchen auf der Burg und in den Biergärten abzutun. Die Haupteinkaufsstraße unterscheidet sich aus meiner Sicht wenig von denen im westlichen Europa, alles gepflegt und mit diversen Modeketten wie sie bei uns das Stadtbild verschandeln. Gut, diverse Gebäude haben schon ziemlichen Ostblockflair wenn man mal noch oben guckt, was die Sache aber eigentlich noch interessanter macht. Unweit der Stelle, an der 2009 der Toulouse Fan Brice Taton ums Leben kam, machten wir es uns in einem etwas gehobeneren Restaurant gemütlich und genossen Speis und Trank zu angenehmen Preisen. Angenehm waren auch diverse Hühner, die in das benachbarte Brautmodengeschäft strömten. Die Singels unter uns stocherten aber lieber in ihren Cevapcici rum anstatt die Brautjungfern anzugraben und später in ihnen rumzustochern. Mindestens ein Mitglied aus unser Reisegruppe hätte dies bitter nötig gehabt.



Nach einem anschließenden Spaziergang und Biergartenbesuch sollte es dann aber endlich zum Stadion gehen.Die Polizeipräsenz nahm mit der Nähe zum Stadion sichtlich und fühlbar zu. Entlang der Straße wurden wir (wenn ich mich recht erinnere) sogar zweimal von den Cops auf diverses Werkzeug kontrolliert. Circa einen Kilometer vor Zvezdas Heimat dann auf einmal kompletter Stillstand. Die Straßenbahnen standen in Reihe, die Insassen auf der Straße und beobachteten das Treiben hinter den Vasallen der serbischen Regierung. Glückspilze wie wir sie nun mal sind, wurden wir Zeuge der Ankunft der Gäste. Auf unser Seite der Polizeisperre wurde es indes ziemlich hektisch. Wer da wem an die Gurgel wollte war nicht so richtig erkennbar. Ob nun Cvezda-Leute untereinander, gegen Partizan oder gegen die Bullen. Als dann letzten endlich diverse Gegenstände und 1-2 Fackeln auf die Bullen flogen, wurde es den Jungs zu bunt und sie setzten zum Gegenangriff an. Unsere Neugier trieb uns dummerweise ziemlich weit nach vorn, was um ein Haar fast zu diversen Beulen durch serbische Gummiknüppel geführt hätte. Eigentlich nichts Wildes, aber auf staatliche Obhut durch Missverständnisse hatte ich wenig Lust. Kurz danach signalisierten uns die Bullen durch freundliches Schwingen ihrer Knüppel, dass wir nun endlich weiter gehen konnten. Ein paar Meter weiter stand wiederum ein Bus mit Partizan-Leuten inmitten des Feindes, weil es mittlerweile so furchtbar warm war, hatten diese ganz unkonventionell ihre Scheiben geöffnet.....oder öffnen lassen. Das war Fußball wie ich ihn mir vorstelle... 


Für mich als England-Fahrer wirkten die finsteren Gestalten rund um die Hütte von Roter Stern schon ziemlich beeindruckend. Ich weiß nicht, ob es „Belgrad Routiniers“ auch noch so geht, aber ich hatte dort schon ein gehörigen Respekt. Während sich Micha und Robert am Presseeingang von uns für die nächsten 2 ½ Stunden verabschiedeten, machten sich Balle und meine Wenigkeit mit einem unguten Gefühl auf zum Haupteingang. Die Sache mit dem fehlenden Barcode machte uns irgendwie Sorgen. Der Plan, die beiden aneinanderhängenden Tickets vor den Augen des Ordners abzureißen und ihm damit zu zeigen das die Dinger zusammengehören, scheiterte leider am Horizont dieser armen Gestalt. Balle laberte von drinnen, ich von draußen auf die Pappnase ein. Irgendwann kam der Chefordner, unterstellte mir Betrug und warf mich wieder raus. Ich hätte kotzen können, das Spiel war nahezu ausverkauft und ich stand plötzlich ohne Ticket da. Also wieder zurück zu den Kassen. Gott sei Dank war da wenig los und ich fand schnell einen Verantwortlichen, welcher den englischen Sprache mächtig war. Wie sich heraus stellte, hatte die Trulla am Vortag einige Karten ohne Barcode verkauft und dachte das wäre so ok. Der Reaktion meines Ansprechpartners zufolge, war ich nicht der Erste mit einer Menge Wut im Bauch. Allerdings wurde alles schnell geklärt und zehn Minuten später stand ich mit einem neuen Ticket neben Balle im Stadion und wartete nun 1 ½ Stunden vor Anpfiff auf das, was da kommen möge. 



Die Ränge des Stadion Rajko Mitić füllten sich nur langsam, als mir die ersten Gesänge der Partizan-Anhänger im Gästeblock um die Ohren flogen. Zu diesem Zeitpunkt waren es maximal 1000-2000, die den Block bevölkerten, aber die Lautstärke machte Bock auf mehr. Circa 15 Minuten vor Beginn waren die Ränge überall brechend voll. Das hatte ich überhaupt nicht erwartet und Balle schien die, nun ziemlich beengte Situation an unseren Plätzen auch unheimlich zu nerven. Dann... Anpfiff. Endlich geht’s los. Für mich erfüllte sich mit dem Pfiff schon ein kleiner Traum. In der Kurve der Delje wurden roten Papen in die Luft gestreckt, ein Blick in den Gästebereich...nichts...Blick zurück...die Pappen werden durch Blinker unterstützt. Die Anordnung der Blinkbengalen sollte wohl das Wort „Delje“ erzeugen, konnte man aber auch erst später auf den Fotos erkennen. Nachdem die Delje ihr Intro über die Bühne gebracht hatten, zogen die Jungs im Gästebereich nach und zündeten einiges an schwarzem Rauch, unterlegt mit fliegenden Fackeln und ohrenbetäubenden Böllern; schon war das ein „nettes“Schauspiel. Die akustische Unterstützung von beiden Seiten fand ich ganz gut, wenn mir auch Partizan etwas besser gefallen hat (ohoh....wenn das Micha liest). Ein Problem bei der Bewertung der Stimmung sind wahrscheinlich die zu hohen Erwartungen. Schaut man sich Videos aus dem Innenraum an, haben die Gesänge eine wahnsinnige Lautstärke. Robert und Micha haben das ebenfalls bestätigt. Aber bei uns oben kamen die Gesänge während des gesamten Spiels leider nie so an, wie sie unsere Herren im Innenraum wahrgenommen haben. Die volle Hütte war der Akustik in diesem Falle nicht sonderlich zuträglich. Sicher, für jemanden, der das erste Mal auf dem Balkan war, ist das Jammern auf ganz hohem Niveau. In Zukunft werde ich mir im Vorfeld auch keine Videos mehr anschauen, das macht vieles kaputt. Nun gut, lassen wir das. Ich kann, drei Wochen nach diesem Spiel, gar nicht mehr wiedergeben, wann es wo gebrannt hat. Im Grunde brannte immer irgendwo eine Fackel, ein Schal, T-Shirts oder einfach nur Sitze. Bei den jeweiligen Toren wurde es entsprechend mehr. Sicher ist, ich habe noch nie ein Spiel mit dermaßen viel Pyrotechnik gesehen. Vor allem nicht über die Dauer von 90 Minuten. Wahnsinn. Sowohl bei Zvezdas Führungstreffer, als auch bei Partizans Ausgleich wurde dermaßen viel Zeug abgefackelt und Sitze auf das Feld gefeuert (Partizan), dass es bei uns wohl für die jeweiligen Vereine die nächsten zehn Jahre Geisterspiele gegeben hätte. Im großen und ganzen hat mir bei diesem Derby wirklich Partizan etwas besser gefallen. In deren Sektoren gab es immer was zu sehen, mal hauten sie sich gegenseitig auf die Mappe und ganz oft versuchten sie, die vielen kleinen Feuer im Block zu einem ganz großen werden zu lassen. Die Typen haben definitiv den größeren Dachschaden. In der nächsten „Republikflucht“ wird es sicher ein paar schöne Fotos dieses gestörten Haufens geben. Geflasht von dem gerade Erlebten, begann nach dem Spiel die mühsame Suche nach einem Taxi. Da unsere beiden Fotografen einige Fotos von der Keilerei der Partizani gemacht hatten und daraufhin verbal und non-verbal (fliegende Gegenstände) von den Protagonisten angefeindet wurden, hatte auch niemand Bock, den entsprechenden Leuten im Dunkel über den Weg zu laufen. Im Hellen eigentlich auch nicht. 




Unten am Kreisverkehr waren die Bullen bereits dabei wieder alles für den Rückweg der Gäste abzusperren und wir fanden tatsächlich ein Taxi. Ich persönlich war eh komplett KO, die anderen auch , also ging's schnurstracks zurück zum Hotel und zur Nahrungsaufnahme. Bei ein paar Getränken wurden das Spiel und die Fotos nochmal ausgewertet, eher es komplett im Arsch in die Koje ging. Letzten Endes haben wir wirklich ein richtig gutes Spiel (Abseits des Spielfelds) gesehen, wenn auch meine Erwartungshaltung ein bisschen was kaputt gemacht hat. Die ganze Stadt, die Leute, der Fußball und natürlich auch das Preisniveau haben allerdings Lust auf mehr gemacht. Sobald es geht, werde ich wieder kommen...
Doch erstmal ging es in Richtung Kroatien, der Bericht folgt. Versprochen!














Sonntag, 26. Februar 2017

Stockholm Wochenende - Herbst 2016

Mangels Attraktivität in den englischen Ligen , entschied sich unsere Reisegruppe, in der Hinrunde der Saison 16/17 für ein Wochenende in der schwedischen Hauptstadt. Nun sind die vier üblichen Verdächtigen aber immer furchtbar busy, was das Finden eines gemeinsamen Termins ungemein schwierig gestaltete. Als die Abwesenheit des Managers und des Anwalts traurige Gewissheit wurde, blieben also nur noch der Offenbacher und meine Wenigkeit übrig. Geeinigt wurde sich somit relativ zügig auf das Derby-Wochenende von Hammarby vs. Djurgarden im Oktober. Wir wären aber nicht wir, wenn nun alles geklappt hätte. Nicht einmal 15 min. nachdem mit dem Eintippen des dreistelligen Sicherheitscodes die Bezahlung bei Scandinavian Airlines bestätigt wurde, blinkte mein Mobiltelefon schon wieder und deutete eine Nachricht meines Begleiters an. Nun, was soll ich sagen. Überaus unprofessionell hatte ich mich am Spielplan auf der "Kicker"-Homepage orientiert und vollkommen vergessen, die des schwedischen Verbands zur Bestätigung in Erwägung zu ziehen. Der Offenbacher signalisierte daher mittels einer (unter Erregung eingetippten) Kurzmitteilung, dass mir da ein Fehler unterlaufen sei. Langer Rede kurzer Sinn: Statt wie gedacht am Sonntagabend, war die Partie am Montagabend angesetzt. Und damit ca. vier Stunden nach unserem Abflug zu Deutschlands größtem Flughafen. Alternativen waren jedoch schnell gefunden, wenn auch nicht von vergleichbarer Qualität. 

Am Freitag den 14.10. hob die Maschine also mit zwei trinkfreudigen Gesellen an Bord ab nach Stockholm. Der Plan, sich bereits im Flieger auf ein gewisses Basislevel zu bringen, wurde jedoch von den knausrigen Gesellen von SAS vereitelt. Wenn man nur noch sieht, wie lang der Bus vom Flughafen Arlanda zum Hauptbahnhof gebraucht hat, hätte ich auch mit RyanAir zu diesem Airport im Nirgendwo fliegen können. SAS finden wir also scheiße! Unsere Unterkunft sollte für die nächsten drei Nächte ein Hotel-Schiff am Nordufer Södermalms sein (wie schon bei meinem letzten Schwedenaufenthalt in Göteborg sieben Jahre zuvor). Viel Komfort war nicht geboten, aber die schnuckelige Kneipe an Bord dieser Nussschale wusste zu gefallen und wurde umgehend nach dem Check-In von uns belagert. Nach den ersten vier Bier und dem obligatorischen Gemaule über die unverschämten Preise, wurden wir auf Touri-Infos an der Tür aufmerksam, bei denen auch eine Kneipen Straße namens "Götgatan" in unserer unmittelbaren Umgebung beworben wurde. Es war eine Frage der Ehre, dass wir jenem Strich der Gastwirte einen Besuch abstatten. Vom Schmollen wird‘s auch nicht billiger und wozu gehen wir denn arbeiten?! Kurzum, der Abend gestaltete sich sehr unterhaltsam und auch mit den Schweden kam man sehr schnell ins Gerede, leider verstanden wir unsere Worte mit zunehmender Stunde selbst nicht mehr so ganz und zogen um Mitternacht und mit reichlich Schlagseite zurück in unsere Kojen.

Als die Sonne endlich wieder unser Zimmer erhellte, hatten wir natürlich ein paar Anlaufschwierigkeiten. Hunger, Durst und die Neugierde trieben uns dennoch vor die Tür. Schließlich galt es, die Stockholmer Innenstadt zu entdecken. Ich war zwar schon einmal hier, aber es ist doch etwas anderes ob man mit `nem Kumpel oder mit der Perle eine Stadt besucht. Folglich wurden immer mal wieder Etablissements mit Zapfhähnen aufgesucht und den schwedischen Schönheiten hinterher gegafft. Ich glaube, die Frauen in Schweden sind nun nicht unbedingt schöner als die Deutschen, aber die Art und Weise wie sich kleiden hat schon eine gewisse Klasse, die das Bild der begehrten Skandinavierinnen abrundet. Wir hatten es also nicht besonders eilig und lebten etwas in den Tag hinein. Erst am späten Nachmittag stand ein fester Programmpunkt auf unserer Agenda. Unweit der neuen Heimstätte von Hammarby, wo die Kollegen aus Köpenick 2 ½ Jahre zuvor noch mit den Wikingern auf dem Platz kämpften, sollte im „Hovet“ der Puck über das Eis gleiten. 

Sonnabend 15.10.2016 Djurgarden IF vs Örebro HK (Eishockey) 0:3 

Nach etwas Recherche im Internet schien uns die Partie Djurgarden vs. Örebro eine schöne Alternative zu Kneipen- und Stadtbummel zu sein. Zumal sich beim Eishockey doch hin und wieder ganz ordentliche Haufen zusammenfinden und für Stimmung sorgen. Ich habe nicht sonderlich viel Ahnung vom Eishockey, aber da ich ja einen Fachmann neben mir hatte, war dieses und jenes doch ganz interessant. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig finde ich die Trink-„Kultur“ (oder eher Regularien) der Schweden. In England darf ja auch nicht am Platz getrunken werden, aber hier steckt man die „Säufer“ zusätzlich in einen gänzlich abgetrennten Bereich. Ähnliches ist mir schon bei einem Konzert in Stockholm ein paar Jahre zuvor aufgefallen. Der Sinn bleibt mir ehrlich gesagt etwas verschlossen. Einen Vergleich zu England muss ich dennoch bringen. Während im UK wirklich auf alles (und gerade auf Verbote) zig mal und unter Androhung von Strafen hingewiesen wird, findet man hier einfach gar nichts. Trinken auf öffentlichen Plätzen bzw. auf der Straße? Null Verbotsschilder, aber man sieht auch niemanden der es macht. Außer zweier unwissender Teutonen. Zum Spiel: Beim Eishockey ist ja schon `ne Menge Show dabei. Riesen Licht-Show, Feuerwerk auf dem Eis usw. Drama – Drama - Drama. Man hätte meinen können, es geht um die Meisterschaft, als das Licht dann aber wieder anging und den Blick auf den Rest der Halle freigab, war die Hoffnung auf ein Stimmungsfeuerwerk wie weggeblasen. Gesänge und Schlachtrufe waren eher sporadisch zu vernehmen und wurden auch nur selten vom Rest des Publikums mitgetragen. Der Vorteil einer eher spärlich gefüllten Arena macht sich jedoch in der Beinfreiheit bemerkbar. Da hatten wir mit unseren Plätzen schon wirklich Schwein. Gute Sicht aufs Eis und die Kurve, und ganz nebenbei konnte man da schön rumlümmeln. Ein vernünftiges Bier wäre was tolles gewesen…. lassen wir das. Auf dem Eis sorgten die Hausherren leider auch nicht dafür, die Unterstützung durch ihren Anhang zu heben. Dreimal klingelte es im Tor von Djurgarden. Dafür hörte man den kleinen Haufen der Gäste aus dem 200 km entfernten Örebro zum Ende hin immer mal wieder. Mehr gibt es von dieser Partie leider nicht zu erzählen. Wenn man mal da ist und nichts anderes anliegt, kann man sich Eishockey schon mal geben. Wirklich interessant wird es vermutlich eh erst in den Playoffs. Diese Vermutung lassen zumindest die Videos im Internet zu. 

Im Anschluss an das Spiel gönnten wir uns in der Stockholmer Altstadt (Gamla Stan) erstmal ein teures Abendmahl, das sich als gar nicht mal so gut herausstellte. Die Getränke in den zahlreichen Pubs in der engen Gassen waren auch nicht teurer oder billiger als in der Kneipenstraße Götgatan, daher verbrachten wir hier auch noch ein paar Stunden bei Bier, Weib und brennendem Frauenhaar. So geschah es, dass eine junge Frau etwas zu nahe an unseren (sehr hohen) Tisch kam und ihr langes Kopfkleid zu nah an die darauf befindliche Kerze. Dank der Reaktion ihres männlichen Begleiters blieb ihr jedoch der Spitzname „Niki Lauda“ erspart. Ein Ami, der das Ganze beobachte, quatschte die Alte mit einem trockenen „ Oh Baby, you`re on fire!“ an. Das anschließende Gelächter in der Pinte baute die junge Frau vermutlich nicht gerade auf. Wir zogen es dann aber vor, die Kneipen in Götgatan zu vervollständigen und sollten das, laut unseren Kreditkartenabrechnungen, auch geschafft haben. Apropos, die Schweden sind auf dem besten Wege, das Bargeld komplett abzuschaffen. Daher empfiehlt es sich, unbedingt eine Geldkarte mit sich zu führen. Beim Eishockey wurde ich beispielweise ziemlich blöde angeguckt als ich mit Bargeld zahlen wollte. Keine Chance.


16.Oktober 2016 AIK Solna vs Östersunds FK 2:0 

Glücklicherweise haben die meisten Hauptstädte Europas gleich mehrere große und kleine Vereine zu bieten, die es zu besuchen lohnt. Da wir ja das Derby erfolgreich verkackt hatten, musste nun eben die Truppe aus dem Stockholmer Stadteil Solna herhalten. Mir fehlt ehrlich gesagt etwas die Kenntnis, wie genau in Stockholm die Kräfteverhältnisse verteilt sind, aber anhand der zahlreichen Videos und Berichte in diversen Fanzines usw. hatte ich auf jeden Fall den Eindruck, dass AIK in Sachen Krawall eine Spitzenposition einnimmt. Und was anderes wollen wir ja eh nicht sehen. Selbstverständlich hatten wir nicht mit irgendwelchen Entgleisungen der AIK Szene gegen solch namenhafte Gegner wie Östersunds FK gerechnet, sehen wollten wir das Spiel trotzdem. Die Fahrt raus nach Solna dauert etwa 10 Min. ab Stockholm Central. Auf dem Weg zur "Friends Arena" muss man, strategisch clever, durch eine riesige Shopping Mall. Wir nutzten dieses Einkaufszentrum eher für ein/zwei Getränke. Denn viel gab es sonst nicht in dieser Gegend. Ähnlich wie am neuen Hammarby/Djurgarden Ground, besteht in Solna alles aus charakterlosen Neubauten zum Wohnen und Konsumieren. Grauenhaft! Es wurmt mich schon etwas, nicht schon früher hier gewesen zu sein und Spiele von AIK im alten Rasunda und der beiden anderen Stockholmer Vereine in ihrer alten Heimstätte gesehen zu haben. Für die Fans der Vereine muss das ebenfalls bitter sein. Dennoch kann ich nicht leugnen, dass uns der Komfort und die weichen Sitzen auf der Haupttribüne irgendwie gefallen haben. 35 Euro kostete der Luxus. Wenn man sieht, was man in Deutschland für das Geld bekommt (nichts), ist das schon eine nette Sache. Ebenso wie Kuchen und Kaffee, die in der HZ-Pause in den edlen Katakomben des Stadion gratis zur Verfügung stehen. Ich dachte zunächst wirklich, wie wären im VIP-Bereich, aber der sah noch einmal ein Stück edler aus. Besonders überzeugen konnte die Bar, wenn auch die Preise....naja...Schweden halt. Wir beließen es bei Kaffee und Kuchen. Auf den Rängen war auch eher Kaffee und Kuchen Atmosphäre angesagt. Der Ultra-Pöbel sang zwar seine 90 Minuten durch, aber im Grunde hätten das auch das emotionslose Gejaule aus Reutlingen sein können. Melodien und Gesängen waren selten neu. Die Mitmachquote war auch eher bescheiden. Und kälter als beim Eishockey war es auch. Nur bei den zwei Toren bekamen wir einen kleinen Vorgeschmack, was für Potential in der Kurve steckt. Also wie überall. Derbys hui, Ligaalltag pfui. Einen rein sportlichen Aspekt lasse ich, wie immer, einfach außen vor. Oder interessiert das hier gerade wirklich jemanden? Auf dem Rückweg in die City wurden wir an der Station Solna noch Zeuge, wie kurz die Zündschnur bei einigen jungen Schweden zu sein scheint. Zunächst dachten wir, die Hausherren hätten ein paar Gäste am Schlawittchen, aber stattdessen waren es die Kontrolleure der lokalen Verkehrsbetriebe, die wenig Verständnis für die Erschleichung von Dienstleistungen der jungen schwedischen Problemfälle hatten. Viel Geschubse, viel Gebrüll....tja, das war die einzige Action die wir an dem Wochenende hatten.



Zum Abschluss trotzten wir noch einmal dem frechen Preisniveau und hauten uns beim "Wikinger" (sollte mir der Name irgendwann wieder einfallen, reiche ich ihn nach) in Gamla Stan den Bauch voll. Die Lokalität war wirklich empfehlenswert. Auch wenn es ein ziemlicher Touri-Nepp ist. Who cares?! Mit vollem Bauch und Büchsenbier im Beutel machten wir es uns nochmal im Hinterzimmer unserer Hotel Bar gemütlich, ehe es völlig verarmt und müde zurück in die Kiste ging. Im Großen und Ganzen ist Stockholm schon eine sehr geile Stadt, wenn auch die Preisgestaltung der Skandinavier etwas auf die Spaßbremse drückt. Vergisst man das einfach mal für einen Moment (was nach dem fünften Bier und durch die Bezahlung mit Visa/EC-Karte zunehmend leichter fällt), kann man hier schon ordentlich den Elch fliegen lassen. 

Die Stadt sieht mich wieder...